Analysemodell

  • Der Anfang der Dynamik: Wie Feindbilder entstehen (1-3)

    Schritt 1: Krise und Kontrollverlust

    Der erste Schritt beschreibt die Ausgangsbedingungen, unter denen Sündenbockkonstruktionen besonders wahrscheinlich werden.

    Anxiety1 User:JayberriesCC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

    Staub beschreibt schwere wirtschaftliche Krisen, politischen Tumult und raschen sozialen Wandel als typische schwierige Lebensbedingungen, aus denen Gewalt gegen Gruppen erwachsen kann, die als bedrohlich wahrgenommen werden. Solche Krisen fungieren als Auslöser, indem sie bestehende Spannungen aktivieren oder verschärfen und häufig den Ausgangspunkt späterer Eskalationen bilden. Viele Menschen erleben diese Situationen als frustrierenden Eingriff in grundlegende Bedürfnisse nach Sicherheit, Wirksamkeit und Kontrolle, positiver Identität sowie verlässlichen sozialen Beziehungen. Zugleich erzeugen diese Krisenbedingungen ein Gefühl von Chaos und Unordnung und untergraben das Vertrauen darin, die Welt und die eigene Rolle in ihr zu verstehen. Die Frage „Warum ist das passiert?“ wird zentral. (Staub 1999, S. 305)

    (mehr …)
  • Der Kipppunkt: Wie aus Verdacht Verfolgung wird (4-6)

    Schritt 4: Sündenbockzuschreibung

    Julian Kücklich, CC0, via Wikimedia Commons

    Schritt 4 markiert den Übergang von der Abgrenzung zur Schuldzuweisung. Eine Gruppe, wird nicht mehr nur als anders wahrgenommen, sondern als ausdrückliche Ursache der Krise benannt. Staub beschreibt diesen Mechanismus als scapegoating, die Behauptung, eine andere Gruppe sei verantwortlich für die eigenen Lebensprobleme. (Staub 1999, S. 306)

    (mehr …)
  • Fazit Modellerarbeitung

    Image by Alexa from Pixabay

    Bevor wir das Raster auf konkrete Fälle anwenden, lohnt sich ein klarer Zwischenstopp: Was soll dieses Modell leisten und was nicht?

    Unser sechsstufiges Raster ist keine »große Theorie«, die Geschichte erklären will. Es ist eher ein Werkzeug, mit dem man Sündenbockprozesse geordnet beschreiben und vergleichen kann. Wir wollen damit nicht behaupten, dass jede Verfolgung gleich funktioniert, sondern prüfen, ob es typische Übergänge gibt, die immer wieder auftauchen.

    (mehr …)